Nach folgend eine sehr schöne Beschreibung eines Klienten der eine Rückführung in frühere Leben bei mir gemacht hat. Er war so davon angetan, dass er seine Erlebnisse und Emotionen zu Hause noch einmal niederschrieb. Die Veröffentlichung ist anonym und erfolgt auf ausdrücklichem Wunsch des Klienten, der damit den Menschen etwas mitteilen möchte. Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag urheberrechtlich geschützt ist. Jede Weiterverbreitung bitte nur nach vorheriger Absprache. Eine direkte Verlinkung auf diese Seite über Facebook oder andere soziale Netzwerke ist erlaubt.

MEINE REISE

Ich begebe mich auf eine Reise. Mit abgedeckten Augen, in einem Haus, irgendwo am Rhein, auf einer bequemem Liege ruhend, lausche ich aufgeregt den Worten meines Begleiters, der mich langsam zu verschiedenen Stationen der Vergangenheit meines jetzigen Lebens führt, um schließlich irgendwo in einem meiner längst vergangen Leben anzukommen.

Eine Rückführung ist keine Kinovorstellung. Es ist vielmehr ein Spiel mit den und nur mit den Emotionen. Dabei steigt man quasi mit seinem jetzigen "Ich" in das "Ich" des in der jeweiligen Lebenssituation fühlenden Individuums (Die Betonung liegt hier auf dem Wort "fühlenden") und erlebt eben diese Situation als "Beobachter" nochmals. Seine Stimme wirkt beruhigend. Dennoch sind die ersten Stationen auf dem Weg zurück eher von krampfhaft herbeigeführten Erinnerungen als von den gewünschten Emotionen geprägt. Erst als ich die Stationen meiner jüngeren Vergangenheit hinter mir lasse, stellen sich im Alter von ca. 2-3 Jahren erste, echte Emotionen ein, die ich auch relativ gut beschreiben kann.

Ich nehme mich als Kleinkind wahr. Liegend. Die Grundstimmung meiner Emotionen ist heiter-optimistisch. Ungeduldig. Bereit zum Aufbruch. Ich spüre meinen ganzen Körper überdeutlich. Ich spüre, wie ich diesen Körper gänzlich mit meiner Energie ausfülle. Ich kann sprichwörtlich meine gesamte Hülle, von der Zehenspitze bis in die Kopfhaut ganz deutlich spüren. Meine Umrisse sind ganz klar definiert, aber auch begrenzt. Wie ein Gummihandschuh, der, mit Erde prall gefüllt und am Ende zugebunden, aufgespannt ist. Es fühlt sich einengend und ungewohnt an. Aber es ist OK. Ich fühle, dass es meine freie Entscheidung war.

Der nächste Schritt, zurück über die Grenze meines Verstandes, gestaltet sich zunächst schwierig. Scheinbar lässt mich mein rationales "Ich" diese Schwelle nicht überschreiten und meine Gefühlswelt bleibt dunkel. Mein Begleiter bietet mir einen "Ausweg" an: Eine Treppe führt hinab zu einer Türe. Diese "Tür des Lebens" wartet darauf, von mir geöffnet zu werden. Ich schreite die Treppe hinab, stehe vor der Tür. Die Klinke habe ich bereits in der Hand. Aber ich zögere und sage, dass ich Angst habe, die Türe zu öffnen. Ich nehme meinen Mut zusammen, öffne die Tür und gehe hindurch. Die Tür ist verschwunden und es ist emotionslos dunkel. Ich irre etwas orientierungslos umher und warte. Plötzlich werde ich überrannt von Emotionen, die so gewaltig schön und groß sind, dass ich es kaum aushalte und anfange, vor Überwältigung und Überraschung zu weinen. Es ist mit Worten kaum zu beschreiben, was in mir vorgeht. Es baut sich ein Universum aus absolut reinen, kristallklaren Emotionen auf. Im Bruchteil einer Sekunde durchfühle ich dieses Universum. Es ist alles dabei: Wut, Angst Trauer, Freude. Einfach alles! Aber vor allem fühle ich absolute, grenzenlose, wahre, gewaltige Liebe! So unbeschreiblich gewaltig und groß, dass ich es nicht aushalte. Ich schluchze auf meiner Liege. Ich erkenne darin mein eigenes, wunderschönes Universum. Eine Essenz, gewonnen aus allen jemals von mir gefühlten Emotionen geschaffen, breitet sich in mir und um mich herum aus und durchflutet mich mit all seiner wunderschönen Kraft! Ich fühle meine eigene Seele, mein Ur-eigenes Ich! Meine Liebe, meine Kraft, Einfach alles! Aber vor allem: Liebe, Liebe, Liebe und nochmals Liebe! Alles umgreifende Liebe.... Urplötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: "Mein Gott, bin ich schön."

Dieses Ereignis verblasst langsam. Ich bleibe zurück. Noch immer überwältigt von dem Erlebten, sammle ich mich kurz, Atme tief ein und aus und konzentriere mich wieder auf die Stimme meines Begleiters. Es bleibt eine Weile dunkel. Ich fühle ein rhythmisches "Auf und Ab" in meinem Körper, dass, sobald ich es wahrnehme, wieder verschwindet. Dieses Gefühl kehrt mehrmals zurück. Jedes Mal deutlicher fühlbar. Ich erkenne plötzlich, dass ich reitend auf einem Pferd sitze. Das gefühlte Auf und Ab ist der Trab-Schritt eines Pferdes! Ich bin auf der anderen Seite angekommen! Die Angst ist verschwunden und Neugierde macht sich breit. Dennoch ist es weiterhin dunkel um mich herum. Das Gefühl des Reitens ist verschwunden und ich fühle, dass ich auf meinen Füßen stehe. Nach wie vor ist es dunkel um mich herum. Aus dem Dunkel formen sich langsam mehrere schneebedeckte, hohe Bergspitzen heraus. Folgende Szenerie bildet sich langsam heraus: Am Horizont eine Bergkette mit den schneebedeckten Gipfeln, eine wilde Wiese mit hohem, grünen Gras und Blumen. Nicht so eine Industriewiese, wie sie heute im "echten Leben" vorzufinden sind. Nein, eine wunderschöne wilde, weite Wiese. Ich kann sehen, wie die Halme vom Wind bewegt werden. Ich bin alleine. Kein anderer Mensch ist weit und breit auszumachen. Aber ich genieße diese Einsamkeit. Es macht mir nichts aus.

Ich nehme sanften Wind auf meiner Haut wahr. Es ist Sommer, aber es fühlt sich frisch, also eher angenehm kühl an. Ich fühle, dass der Sommer hier an diesem Platz nicht wärmer werden wird. Ich fühle mich wohl. Ich schaue an mir herab, kann aber keine körperliche Gestalt erkennen. Keine Beine, keine Füße, die zu mir gehören könnten. Aber ich fühle, das ich in dieser Szene auf meinen Füßen stehe. In der Nähe mache ich einen kleinen See aus. Die Umgebung ist dicht mit Eichen und Buchen bewaldet. Eine kleine, einfache Hütte erscheint vor meinem geistigen Auge. Scheinbar aus dünnen Baumstämmen zusammengesetzt. Ich kann Licht durch die Ritzen in den Außenwänden schimmern sehen. Ich fühle, dass dies mein Zuhause ist. Ich fühle mich geborgen, verwurzelt, sicher, daheim. Neben der Hütte ist aus den gleichen dünnen Baumstämmen ein Art Gatter, eine Koppel zu erkennen. Ich fühle, dass hier unsere Pferde untergebracht sind. Ich freue mich über diese Erkenntnis. Auf dem unteren horizontalen Stamm dieses Gatters stand ich immer. Meine Arme lagen dabei auf dem oberen Stamm. Mein Kopf auf die Arme gelegt, schaute ich den Pferden zu und träumte. Ich fühle, dass ich ein glückliches, zufriedenes und gesundes Kind bin. Vielleicht 7 oder 8 Jahre alt.

Aber die Pferdekoppel ist jetzt leer. Wo sind unsere Pferde? Unbehagen steigt in mir auf. Irgendetwas stimmt nicht! Die Pferde sind weg. Verkauft worden! Ein Gefühl von Abschied steigt in mir auf. Ich fühle die Anwesenheit eines anderen Menschen. Ein liebevoller Mensch. Meine Mutter ist bei mir. Eine große, schlanke Frau in einem einfachen, bodenlangen, weißen oder eher natur-weißen Baumwoll- oder Leinenkleid. Ich kann ebenmäßige Gesichtszüge erkennen. Ihre Erscheinung ist aufrecht, gerade. Sehr schön, relativ jung und voller Mutterliebe. Ich fühle, dass ich zu meiner Mutter aufschaue. Sie redet geduldig auf mich ein. Worte kann ich keine wahrnehmen. Aber ich spüre, dass sie mich davon überzeugen will, dass wir diesen Ort für immer verlassen müssen! Ich fühle Traurigkeit und Trotz in mir aufsteigen. Ich will hier nicht weg von diesem wunderbaren Ort meiner Kindheit! Das ist doch mein Zuhause und alles ist gut! Ich will mich nicht von hier verabschieden müssen mit der Gewissheit, niemals mehr zurück zu kehren! In mir tobt Angst, Trauer und Wut! Ich erkenne jedoch, dass es unausweichlich ist. Meine Mutter redet noch immer liebevoll auf mich ein. Ich muss Abschied nehmen. Ich fühle mich ganz tief traurig, wütend und verzweifelt. Ich kann diese Gefühle auch bei meiner Mutter wahrnehmen. Wir müssen diesen wundervollen Ort verlassen. Ansonsten verhungern wir.

Mein Begleiter möchte wissen, ob ich mir die Situation anschauen möchte, warum wir in diese Situation geraten sind und führt mich ein wenig in der Zeit zurück. Es ist etwas Schlimmes passiert. Ich fühle rasende Trauer in mir aufsteigen. Mein Vater ist plötzlich und unerwartet gestorben. Mein Papa ist tot! Er ist verunglückt. Scheinbar irgendwo abgestürzt. Ich sehe etwas vor mir liegen. Eine undeutliche Gestalt liegt vor mir auf dem Boden. Aber ich fühle, dass es mein verunglückter, toter Vater ist. Ich fange an zu schluchzen und zu weinen... Mein Begleiter lässt mich nicht im Stich und führt mich aus der Situation fort.

Die Reise geht nun weiter zur nächsten Situation. Nach einer kurzen Zeit der Dunkelheit entsteht vor mir ein Bild eines steinernen Brunnens. In der Mitte des Brunnens ragt eine Säule empor aus der vier schwarze, schmiedeeiserne Wasserspeier ragen. Auf jeder Seite der Säule einer. Relativ lang und mit Schnörkeln verziert. Das Wasser plätschert in ein großes Becken, das fünfeckig um die Säule angeordnet ist. Es ist graues Gestein, auf dem sich hier und da Moss angesetzt hat und dadurch grün schimmert. Das Bild erweitert sich. Der Brunnen steht in der Mitte eines großen Marktplatzes. Der Boden besteht aus Kopfsteinpflaster. Rund um den Platz stehen große Steinhäuser. Die Giebel der Häuser sind alle zum Marktplatz ausgerichtet. Es herrscht hektisches, geschäftiges Treiben auf diesem Platz. Ich sehe viele Pferdegespanne. Weiße und braune Pferde ziehen Wägen mit hölzernen Speichenrädern. Es ist laut und es riecht nach Pferdedung. Ich nehme mich bei diesem Brunnen stehend war. Wieder schaue ich an mir herab. Nun habe ich eine Gestalt. Ich bin barfuß und schmutzig. Meine Kleider sind braun-grau-schwarz, schmutzig, zerrissen und zerlumpt. Meine Hose deute ich zunächst als kurze Hose, erkenne aber, dass es eine lange Hose war und die Reste dieser Hose wie eine kurze Hose aussehen. Ich fühle, dass ich alleine bin. Nicht nur in dieser Situation, sondern wirklich gänzlich und endgültig alleine und verloren. Ich spüre Hoffnungslosigkeit. Die fremden Menschen, das hektische Treiben, der ganze kalte Stein ängstigt mich. Ich weiß nicht, wo ich hin soll. Ich weiß nicht, wo ich bin und habe keine Idee wie es weitergeht. Ich fühle große Angst, Unbehagen, Panik, Trauer, Schmerz und die Hoffnungslosigkeit wird übermächtig.

Auch hier möchte ich wissen, was zu dieser Situation geführt hat. Mein Begleiter führt mich in der Zeit des füheren Lebens wieder zurück, nicht weiter. Zu jenem Zeitpunkt in der das Gefühl der Einsamkeit und Traurigkeit entstand. Eine neue Szene baut sich nach einiger Zeit sehr zögerlich auf. Zunächst erscheint die Kontur einer kleinen Kirche. Sehr undeutlich und schemenhaft. Dann wird das Bild deutlicher. Eine kleine Dorfkirche, wie Kinder sie malen würden. Ein Glockenturm mit spitzem Dach und am Turm das Kirchenschiff mit seinem steilen Dach angebaut. Hohe Fenster an den Seiten. Große, dicke Bäume stehen hier ebenfalls. Vor meinem Auge erscheint ein kleiner Friedhof. Mir schwant nichts Gutes. Die gleichen Gefühle, die ich auf dem Marktplatz spürte, steigen wieder auf. Ich stehe vor einem Grabstein. Ich spüre, dass es das Grab meiner Mutter ist. Ich schluchze und weine auf meiner Liege am Rhein. Meine Mutter, die ich so liebe, ist ebenfalls gestorben. Scheinbar auch relativ jung und kurz nach meinem Vater. Vielleicht eine Krankheit. Ich spüre grenzenlose Trauer. Ich bin ungefähr 12-13 Jahre alt und nun ganz alleine auf dieser Welt. Mein Begleiter fragt, ob ich etwas auf dem Grabstein erkennen kann. Ich konzentriere mich auf den Stein und erkenne einen niedrigen, dünnen, groben Grabstein aus hellem Stein, der oben einen Halbkreisbeschreibt. Auf dem Stein erkenne ich den Namen "Maria" und die Jahreszahl "1835". Mehr kann ich nicht erkennen. Ich fühle mich niedergeschlagen. Ich bleibe noch eine Weile vor dem Grabstein stehen, fühle, weine und trauere. Mein Begleiter fragt mich, ob ich herausfinden möchte, welche Menschen danach in mein Leben getreten sind. Ob es da Menschen gibt, die mir möglicherweise etwas Halt gegeben haben.

Die Szene am Grab meiner Mutter verschwimmt. Wieder wird es einen Moment dunkel vor meinem Auge, während ich nun spüre, wie ich weitergezogen werde. Es entsteht ein sommerlicher Laubwald. Ein kleiner See inmitten des Waldes entsteht vor meinem geistigen Auge. Ich fühle, dass es früh am Morgen ist. Die Sonne scheint schräg durch den Wald. Sie steht noch nicht sehr hoch. Über dem Wasser des Sees steigt sanfter Dunst auf. Am Ufer des Sees kann ich einen kleinen Steg ausmachen, auf dem ein Angler seine Angel ausgeworfen hat. Wo der Köder das Wasser berührt, entstehen kleine Kreise auf der Oberfläche. Ich fühle Frieden. Ich bin glücklich, den Angler zu treffen. Ich fühle, dass es ein Freund ist und ich gerne in seiner Nähe bin. Ich weiß, dass ich ihn hier suchen muss, wenn ich bei ihm sein möchte. Freude steigt in mir auf. Ich lache. Ich gehe zu dem Freund hin. Mein Begleiter fragt, ob ich diesen Freund etwas beschreiben kann. Dieser Freund ist schon etwas älter. Um einiges älter als ich es bin. Er hat graue Haare und eine Pfeife im Mundwinkel. Ich fühle Ruhe und Geborgenheit in seiner Nähe. Ich fühle, dass es mein Opa ist! Das ist Opa Heinrich! Aufgeregt rutsche ich auf meiner Liege am Rhein hin und her! Ich freue mich sehr, ihn zu sehen! Liebe steigt in mir auf. Auf einmal wird dieses vertraute Gefühl noch deutlicher! Ich erkenne, ich fühle in diesem Freund, meinem Opa Heinrich, der in dieser Situation ein Anker für mich ist, meinen jetzigen Schwiegervater! Es ist Peter! Der Mann, mit dem ich heute Tür an Tür in meinem jetzigen Leben lebe! Ich kann es kaum glauben und die Überraschung ist sehr groß. Ich sitze also neben meinem Opa Heinrich auf dem Steg und fühle Frieden und Glück. Er schaut mich lächelnd an, kaut auf seiner Pfeife, klopft mir väterlich auf die Schulter und sagt mir, wie stolz er auf mich ist. Ich fühle mich sehr glücklich und geliebt.

Die Reise geht weiter und es wird anfänglich etwas verwirrend. Nach einer Weile baut sich wieder jenes Zuhause vor mir auf, welches ich als Kind verlassen musste. Die Berge, die Wiese, der See, die Wälder. Die Hütte. Mein Gott, wie liebe ich dieses Fleckchen Erde! Ich nehme mich als erwachsener Mann wahr und kehre von der Arbeit heim. Ich bin ein Handwerker. Ich trage eine große Holz-Säge auf der Schulter. Ich bleibe einem Moment bei mir und fühle mich. Ich bin ein gesunder, vor Kraft strotzender Mann. Ich erkenne mich als großgewachsenen Holzfäller mit schulterlangem, leicht gewelltem, dunkelblondem Haar. Ich schaue wiedermal an mir herunter und schaue in meine Handfläche, eine große, kräftige Hand die zupacken kann und gleichzeitig sehr sanft zu sein scheint. Ich sehe einen muskulösen Unterarm, einen kräftigen Bizeps, der dafür sorgt, dass sich der Saum meines weißen, kurzärmeligen Hemdes stramm um meinen Oberarm spannt. Die Haut ist glatt und braun gebrannt. Ich spüre, dass ich zum bersten angefüllt mit Energie bin. Ich stehe "voll im Saft" und strahle das auch aus. Ich schaue wieder in mich und wundere mich über meine unglaublich große innere Sanftheit mit der gleichzeitigen physischen und auch psychischen Stärke. Ich spüre, dass ich mit mir und meinem Körper absolut im Reinen bin. Da ist aber auch etwas Draufgängerisches. Ich fühle, dass ich glaube, alles zu können und nichts unerreichbar wäre. Ich fühle Hochmut.

Die Szene erweitert sich. Ich sehe zwei Kinder unbeschwert miteinander spielen. Sie lachen und jauchzen in der Sonne, während sie sich in der Wiese nachjagen und versuchen, sich gegenseitig zu fangen. Ich fühle Stolz und unglaublich große Liebe zu den beiden. Ich fühle, dass es meine Kinder sind. Es sind bei genauem "hinein fühlen" ein Mädchen mit lockigem, langem Haar und ein Junge mit kurzen, blonden Stoppelhaaren. Das Lachen der beiden ist glockenhell, die Ausstrahlung fröhlich und kindlich unbeschwert. Eben genau so, wie eine Kindheit sein sollte und wie Eltern es ihren Kindern wünschen. Die beiden beachten mich nicht weiter und auch ich bin zwar interessiert an meinen Kindern, finde jedoch keine Möglichkeit, näher an sie heran zu kommen.

Mein Blick fällt nun auf die Hütte. Die Türe steht offen und ich kann hinein schauen. Ich bin einigermaßen Überrascht über dass, was ich sehe. Über einer Feuerstelle hängt ein großer schwarzer Topf. Vor diesem Topf steht meine Frau und scheint am kochen zu sein, da sie in dem großen Topf etwas zu rühren scheint. Augenblicklich spüre ich eine so unglaublich große und tiefe Liebe zu dieser Frau. Eine grenzenlose Zuneigung. Bisher sehe ich sie nur andeutungsweise. Schemenhaft. Aber: Mein Gott, wie liebe ich diese wunderbare Frau. Mein Herz springt vor Freude! Das Bild wird deutlicher und ich erkenne nun, dass diese Frau ähnlich gekleidet ist und die gleiche wunderbare Ausstrahlung besitzt, wie meine verstorbene Mutter aus der ersten Szene. Ich bin also als erwachsener Mann zu diesem Ort zurückgekehrt. Dennoch lasse ich diese neue unerwartete Situation auf mich wirken. Die vertraute Umgebung mit Bergen, Wäldern, Wiesen usw.. Meine Kinder, die glücklich sind. Meine Frau, die ich abgöttisch liebe und verehre. Ich fühle großes Glück, Zufriedenheit, Harmonie und Liebe, während ich die Situation beobachte. Mir springt das Herz förmlich aus der Brust bei dem, was ich fühle.

Ich führe mit meiner Familie ein ganz einfaches Leben als Holzfäller in einer einfachen Hütte und ich würde es für nichts in der Welt eintauschen wollen. Ich bin unglaublich stolz, rundherum glücklich und zufrieden. Mein Fokus liegt nun wieder auf meiner Frau, die noch immer mit dem Rücken zu mir an der Feuerstelle steht. In mir wächst der Wunsch, sie näher spüren oder sehen zu wollen, traue mich aber noch nicht. Ich frage mich, ob ich ihr wohl näher kommen darf oder ob der Abstand zu ihr gewahrt werden soll, wie bei meinen Kindern, denen ich mich nicht weiter nähern konnte. Aber es funktioniert.

Deutlich spüre ich nun ihre Präsenz. Was ich jetzt spüre, verschlägt mir auf meiner Liege am Rhein den Atem. Ich spüre eine sehr große Vertrautheit. Ich erkenne diese Seele! Kann das wirklich sein? Wieder fange ich an zu schluchzen. Ganz deutlich kann ich es spüren, ganz deutlich fühlen, ohne zu wissen, wie diese Frau aussieht. Es ist die Seele, die in meinem jetzigen Leben meine Tochter ist! Charlotte ist in diesem Leben meine Frau. Meine Tochter ist diejenige, die ich in diesem einfachen Leben so abgöttisch liebe und verehre!! Ich kann es nicht fassen und bin erfüllt von Überraschung und großer Freude!

So viel Glück auf einmal. Wunderschön! Die Szene löst sich auf. Zunächst bin ich verwundert. Da ist nichts! Es ist dunkel und ich fühle mich merkwürdig alleine. Ich verweile hier einen Moment, finde aber keinen Orientierungspunkt. Mein Begleiter führt mich ein Stück zurück, vor diesen Moment der Dunkelheit. Ich sehe jetzt Baumwipfel. So, als wenn man im Wald auf dem Rücken liegt und nach oben schaut. Es ist tatsächlich so. Aber es ist etwas falsch. Es ist etwas passiert! Etwas schlimmes! Ich fühle einen kleinen Pickser in meinem unteren Rücken. Auch meine Beine scheinen irgendwie taub zu sein. Ich spüre, dass die Beine an mir dran sind. Es stehen einige Leute um mich herum und schauen auf mich herab. Auch meine Frau steht in dieser Runde. Mir wird bewusst, dass ich mir das Rückgrat gebrochen habe. Irgendetwas ist mir wohl auf den Rücken gefallen ist. Vielleicht ein Baum, den ich gefällt habe? Mein Begleiter führt mich aus dieser Situation heraus, zu einer Situation kurze Zeit später, denn ich soll nicht leiden.

Wieder diese Szenerie, das meine Frau mit verschiedenen anderen Menschen auf mich herab blickt. Nur sehe ich das jetzt von oben. Ich schwebe über meinem Körper und über den Menschen rundherum. Ich realisiere, dass ich meinen Körper verlassen habe. Dass dieses glückliche Leben ein jähes, unerwartetes Ende genommen hat. Wie konnte das passieren? Ich bin doch noch so jung! Ich habe den Moment gar nicht mitbekommen. Auf einmal lag ich dort und im nächsten Moment schwebe ich über mir. Und meine Familie! Was soll nun aus ihr werden? Ich muss sie doch versorgen und auf sie aufpassen! Ich spüre, dass ich sehr leichtsinnig war. Übermütig. Ich bin nicht erschlagen worden! Ich bin von einem Baum gefallen. Zu viel riskiert. Mein Leben aufs Spiel gesetzt und leider verloren. Ich bin verzweifelt. Ich erkenne, dass meine Familie nun leiden wird. Ihr Ernährer und Beschützer ist tot. Umgekommen durch Leichtsinn und Übermut. Für diese Unbedachtheit müssen sie nun leiden. Das tut sehr weh!

Mein Begleiter führt mich von dieser Situation fort, indem er mich fragt, ob ich noch einen Schritt weiter gehen möchte. Das möchte ich. Die Verzweiflung schwindet langsam. Ich fühle mich sehr frei und lebendig! Ich verlasse dieses Leben und schwebe zu einem Licht. Ich fühle wirklich grenzenlose, unglaubliche Liebe und Freude! Ich gehe nach Hause und ich werde erwartet! Es erscheinen drei Gestalten im Licht. Lächelnd und mit offenen Armen empfangen sie mich. Ich bin so unglaublich glücklich! Das eben passierte, das vergangene, hat keine Bedeutung mehr. Auch diese Seelen, die mich dort erwarten erkenne ich! Das ist emotional kaum auszuhalten. In der dritten Seele erkenne ich meine jetzige Frau! Meine über alles geliebte Ebby nimmt mich in ihre Arme. Ich schaue sie an und sage:" Mein Gott, wie hast du mir da unten gefehlt! Wie habe ich dich vermisst!!"

An diesem Punkt kann ich diese Freude, diese grenzenlose Liebe nicht mehr aushalten und bitte meinen Begleiter, mich in mein jetziges Leben zurück zu bringen, bevor ich buchstäblich an diesen Emotionen zerbreche! Er zählt bis fünf und macht mir klar, dass ich auf der Erde bin. Im Jahr 2016. Auf einer Liege am Rhein. Ich atme tief ein und aus. Ich bewege meine Arme und Beine. Alles funktioniert. Ich öffne die Augen. Es ist sehr hell. Ich richte mich auf, drehe meinen Kopf nach rechts und erblicke ein Gemälde einer Gestalt, die, eingehüllt in Licht, mit ausgebreiteten Armen jemanden empfängt. Lange schaue ich auf dieses Bild, während sich mein Herzschlag wieder normalisiert. Ich bin glücklich. Ich weiß, dass dieser Tag kommen wird. Ich weiß, dass ich dann glücklich sein werde. Ich weiß aber auch, dass ich jetzt, in diesem Leben, genau da bin wo ich hin gehöre und weiß, was ich zu tun habe. Ich möchte noch nicht zu diesem Licht. Jetzt möchte ich zu meiner Eva, zu meiner Tochter, nach Hause zu meiner Familie. Ich werde vorsichtig sein...