Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem bald erscheinenden Buch: "Dein Weg zum wahren Selbst" Er ist urheberrechtlich geschützt. Die Verwendung - auch auszugweise - ist nur nach voheriger schriftlicher Genehmigung gestattet.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum ein emotionaler Frieden für uns Menschen so wichtig ist? Wie können wir ihn in uns selbst finden? Viele Menschen haben vergessen bzw. verlernt mit ihrem wahren Selbst bewusst in Kontakt zu treten bzw. entsprechend ihrem wahren Selbst zu handeln.

 

Wenn wir über unser wahres Selbst sprechen verbindet sich damit automatisch die Frage danach, was damit wohl gemeint sein könnte. Der Begründer der US-amerikanischen Psychologie, William James (* 11. Januar 1842 in New York; † 26. August 1910 in Chocorua, New Hampshire), war von 1876 bis 1907 Professor für Psychologie und Philosophie an der Harvard University (USA).

 

Er gilt als Begründer der Psychologie in den USA und war der erste, der dieser Frage nachging und darauf eine recht schlüssige Antwort gefunden hat. James spricht in seinen Ausführungen von einem „Ich“ und einem „Mich“.

 

Das „Ich“ verstand James als den inneren Beobachter, den Wahrnehmenden. Das „Mich“ ist das Selbstbild. „Ich“ und „Mich“ hat nicht die gleiche Bedeutung, denn „Ich“ kann „Mich“ unterschiedlich wahrnehmen, sagt James.

 

Ich stelle das „Ich“ mit dem wahren Selbst (Seele) gleich. Somit ist es auch die Seele (unsere innerste emotionale Welt), die es ermöglichen könnte uns allen Anforderungen äußerer Situation und unserer eigenen Konditionierungen entgegenzustellen. Wir könnten uns jederzeit entscheiden, äußeren Einflüssen zu verweigern, oder uns gegensätzlich zu unseren Konditionierungen (dem „Mich“) zu verhalten. Das macht sich vor allem in den Situationen bemerkbar, wenn es um unser Gewissen geht, dem Urgrund unseres wahren Selbst. Der wirklich Wahrnehmende der Welt, die Seele (unser emotionales Bewusstsein). Die Stimme in unserem Kopf meldet sich unweigerlich, wenn wir gegen unser Gewissen handeln sollen.

 

Die meisten Menschen leben aber leider in ihrem „Mich“ und stellen sich deshalb oftmals gegen Ihre innere Welt. Warum ist das so? Noch bevor Sie Ihren ersten Babyschrei auf der Bühne des Lebens getan haben gaben Ihnen Ihre Eltern einen Namen, der Sie bis heute und Ihr weiteres Leben begleiten wird. Auf diesen, uns gegebenen Namen, hören wir bis zum heutigen Tag wie ein Hund, der von seinem Frauchen oder Herrchen gerufen wird.

 

Spricht ein anderer Mensch Ihren Namen aus, werden Sie sich in wenigstens 90% aller Situationen gemeint fühlen, erst recht dann, wenn sich außer Ihnen kein anderer mit dem gleichen Namen im Raum befindet. Durch diesen Prozess wird für jeden Menschen der erste Grundstein für das „Mich“ gesetzt, die Identifikation mit einem Namen. Irgendwann, als sie noch ein Baby oder Kleinkind waren, zeigten z.B. Ihre Eltern oder Großeltern auf eine Projektion in einem Spiegel und sagten, „schau mal, das bist du!“ Sie haben natürlich sehr schnell entdeckt, dass dieses Muster in dem Spiegel genau die gleichen Bewegungen vollzieht wie Sie selbst. Egal, ob Sie den Arm gehoben, eine Grimasse gezogen, gelacht oder geweint haben. Später, als Kleinkind (bis zum Alter von ungefähr zwei Jahren), hat man Sie gefragt, "na, wer ist das da im Spiegel?"

 

Bis zu diesem Zeitpunkt haben Sie vielleicht noch etwas zaghaft nur Ihren Namen ausgesprochen. Doch bereits nach der Vollendung des zweiten bzw. maximal dritten Lebensjahres haben Sie diese Frage anders beantwortet. Wie? Sie sprachen mit inbrünstiger Überzeugung, "das bin ich!"

 

Spätestens an diesem Punkt fand die Trennung zwischen dem „Ich“ und „Mich“ statt. Und selbst heute, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen, glauben Sie, dass bin ich. Die Frage ist allerdings, macht Sie Ihr Name und Spiegelbild zu dem, wie Sie sich hier, auf der Bühne des Lebens und dem Verhalten mit anderen Menschen darstellen? Natürlich nicht! Der Effekt des „das bist Du“ war und ist sehr nachhaltig. Denn ein Du folgt gedanklich einem trennenden Prinzip und Du bedeutet auch, dass es zwangsweise ein Ich geben muss. Aber dieses Ich ist nicht Ihr unbekümmertes und leichtlebiges Selbst, dass Sie noch als Kind hatten.

 

Es wurde zu einem „Mich“, die "Illusion" von dem Menschen, der Sie zu sein glauben. Es ist ein Sammelsurium unserer in diesem Leben erworbenen Fähigkeiten, Schwächen, Stärken, Erfahrungen, Wünschen und Ängsten, entstanden aus Attributen wie Umwelt, Erziehung, sozialem Umfeld und unserer eigenen Erlebniswelt. Das „Mich“ unterliegt einem permanenten Wandel, formt und verformt sich im Laufe der Lebensgeschichte mit jedem Tag unserer Existenz. Sie sind heute nicht mehr der gleiche Mensch, wie vor 10, 20 oder 30 Jahren. Das „Mich“ entwickelt und verändert sich ein Leben lang, je nach Lebenssituationen und Anforderungen, die an uns gestellt werden. Doch alle diese Erfahrungen, die im Übrigen immer einen emotionalen Wert besitzen, kommen aus einem Urgrund oder werden diesem Urgrund zugeführt, dem „Ich“, dem wirklich wahrnehmenden der Welt, unserer Seele.

 

In einem Coaching geht es primär darum wieder zwischen dem „Ich“ und „Mich“ unterscheiden zu lernen. Wir könnten auch sagen, uns wieder mehr unserer emotionalen Welt zu öffnen, zu unserem eigenen Wohlbefinden die Polarität zwischen dem „Ich“ und „Mich“ auszubalancieren. Nur in seinem Verstand zu leben ist ebenso wenig hilfreich, wie ausschließlich seinen Emotionen zu folgen. Auch wenn sich viele aus "dem Bauch heraus" getroffenen Lebensentscheidungen als richtig erweisen oder erwiesen haben, manchmal hat auch der Verstand seine Existenzberechtigung. Insbesondere da, wo es um rein fachliche Entscheidungen geht. Kein Mensch würde sich z.B. von einem normalen Menschen ohne Fachwissen operieren lassen. Dazu bedarf es beispielsweise schon eines Arztes, wobei dieser sicherlich auch ein emotial ausgeprägter Mensch sein kann.